SYNCHRONSCHWIMMEN MIT MAX WEBER, EINE PULSMESSUNG

„Bedenke, daß die Zeit Geld ist.
Bedenke, daß Kredit Geld ist.
Bedenke, daß Geld von einer zeugungskräftigen
und fruchtbaren Natur ist.
Bedenke Preise verändern die Welt.
Bedenke, wer nicht hinaufsteigt, muss hinabsteigen.
Bedenke, wer sich in seiner Lebensführung nicht anpasst
geht unter oder kommt nicht hoch.
Bedenke Leistung. Macht. Spaß.
Bedenke der Mensch ist für sein Geschäft da, nicht umgekehrt.
Bedenke gut ist uns nicht gut genug.
Bedenke den Sinn des rastlosen Jagens.
Bedenke die Irrationalität.
Bedenke mein ein für alles.
Bedenke hier bin ich Mensch hier kauf’ ich ein.
Bedenke Geiz ist geil
Bedenke spar’ dich reich.
Bedenke I’m lovin’ it
Bedenke du bist was du isst.
Bedenke mach’ mal Pause.
Bedenke whatever it takes.
Bedenke geht nicht, gibt’s’ nicht.
Bedenke Sie sind frei.
Bedenke die Grenze.
Bedenke es gibt keine Grenzen.
Bedenke du kannst alles.
Bedenke einzuatmen, vor dem ausatmen, vor dem
einatmen, vor dem ausatmen…“

„Dabei ist das “summum bonum” dieser “Ethik”: der Erwerb von Geld und immer mehr Geld, unter strengster Vermeidung alles unbefangenen Genießens, so rein als Selbstzweck gedacht, daß es – gegenüber dem “Glück” oder dem “Nutzen” des Einzelnen – als etwas gänzlich Transzendentes und schlechthin Irrationales erscheint.“ Max Weber

Max Webers „Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus“ ist ein Klassiker in der Soziologie. Für die Bühne erscheint dieser wissenschaftliche Text zunächst sperrig, doch wie kann man genau damit umgehen? Wie lässt sich die komplexe Argumentation einer wissenschaftlichen Theorie in einer performativen Form verständlich machen? Durch die Übersetzung und Abstraktion von Webers Gedanken in das „banale“ Experiment des „immer längeren Luftanhaltens unter Wasser“ wird der Raum eröffnet, die nunmehr hundert Jahre alte Theorie mit der Gegenwart zu verknüpfen. Webers Thesen verschwimmen dabei mit der zunächst realistisch anmutenden Videodokumentation des Versuchs der Selbstkontrolle und Disziplin, wodurch die theoretischen Gedanken eine Konsequenz in der Realität bekommen. Eine eigenartige Verschiebung und Bedrohlichkeit entstehen.

Eine Theaterperformance im Rahmen der Langen Nacht
der Weltreligionen 2107 / Reformation und Rebellion.

Thalia Theater, Nachtasyl
Premiere: 02.02.17

REGIE & FASSUNG Johanna Louise Witt
VIDEO Annika Stienicke, Johanna Louise Witt
AUSSTATTUNG Annika Stienicke
MIT Alicia Aumüller